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09.02.2010 Permalink Weiterempfehlen

Sampling Alles nur geklaut

Hypeautorin Helene Hegemann hat in ihrem Debütroman abgeschrieben. Jedenfalls teilweise. Damit ist sie nicht alleine. Film, Musik und Netz sind voll von Kopierern. Willkommen in der schönen alten Welt des Samplings.

Buchcover Axolotl Roadkill

Deef Pirmasens

Wochenlang wurde sie in den Feuilletons gehypt – Helene Hegemann, Autorin des Romans "Axolotl Roadkill". Jetzt wird die 17-Jährige gerade genauso schnell wieder fallengelassen – sie soll ihren Text zumindest teilweise zusammengeklaut haben. Die Autorin gibt das inzwischen ganz offen zu: Natürlich, sagt sie, sammle ich bei meinen Freunden, im Netz. Ich bediene mich überall. Entdeckt hat das Ganze der Blogger Deef Pirmasens:

"Sampling und Remixen ist natürlich völlig legitim. Aber es bedeutet nicht, dass man sich mit fremden Federn schmücken kann. Dass man sich inspirieren lässt bei einem Roman ist was ganz normales. Aber wenn man sich bei einem unbekannten Autor, bei einem Blogger, der ein Buch in einem Undergroundverlag rausgebracht hat, bedient, dann kann man nicht davon ausgehen, dass der bekannt ist. Dann muss man darauf hinweisen, welche Sachen man zitiert hat, damit der auch zu seinem Recht kommt."

Sample, klauen, zitieren – damit steht Helene Hegemann aber nicht alleine da. Prominente Vorbilder aus Film, Musik, und im Netz gibt es genug.

RIP! A Remix Manifesto

Plakat von RIP! A Remix Manifesto - Dokfest München 2009

Im Film "RIP! A Remix Manifesto", einem der Filme zum Thema, begibt sich der kanadische Filmemacher Brett Gaylor in die Welt des Samplings. Und hier wird klar: In dieser Welt herrscht Krieg! Copy-Right gegen Copy-Left. Die Vertreter der alten, copyright-geschützten Welt kämpfen gegen die Vertreter der neuen, die wild vor sich hinmixt. Grundlage und Auslöser für den Kampf von Vergangenheit gegen Zukunft: das Internet. Die Aussage des Films ist dabei klar: Alle sollen die Möglichkeit haben, frei zu remixen und frei zu sampeln. Vergangenheit gegen Zukunft also.

Ja, Panik!

Zusammengeflickt – so könnte man die Songs der österreichischen Gruppe Ja, Panik! auch nennen. Ja, Panik! sind Zitatoren par Excellence. Die Texte der fünf Österreicher sind zusammengeschustert aus Eigenem, aus übersetzten Songfragmenten und Satzfetzen. Aus ihrem Flickenteppich macht die Band aber keinen Hehl:

"Beim Songschreiben passiert das auch einfach einmal, dass man glaubt, man hat etwas geschrieben und dann gibt’s das schon. Weil der Rahmen der Popmusik ist ja viel enger als der der Sprache, die ist viel weiter gefächert!"

Sample-Helden des Films

Schon Altmeister Jim Jarmusch macht dem Stehlen zur eigenen Inspiration eine Liebeserklärung:

"Nothing is original. Steal from anywhere that resonates with inspiration or fuels your imagination. Devour old films, new films, music, books, paintings, photographs, poems, dreams, random conversations, architecture, bridges, street signs, trees, clouds, bodies of water, light and shadows, also Digg submissions. Select only things to steal from that speak directly to your soul, or that will make Digg front page. If you do this, your work (and theft) will be authentic and earn you many Diggs. Authenticity is invaluable; originality is nonexistent. And don't bother concealing your thievery, because we can track it anyhow — celebrate it if you feel like it. In any case, always remember what Jean-Luc Godard said: It's not where you take things from – it's where you take them to."

Christoph Waltz in Quentin Tarantinos Inglorious Basterds

Dass sich auch Quentin Tarantino fröhlich bei anderen bedient, ist ja hinreichend bekannt. "Inglorious Basterds" zum Beispiel, den gab es - zumindest teilweise - schon früher. Nur hieß er damals nicht "Inglorious BastErds" sondern "Inglorious BastArds". Tarantino hat sich beim italienischen Filmregisseur Enzo Castellari, der "Inglorious Bastards" 1978 gedreht hat, so einiges abgeschaut. Aber kein Problem: Castellari und auch der Hauptdarsteller von damals haben sogar Gastrollen bei Tarantino bekommen.

Auch nicht schlecht in der Samplewelt: Michael Haneke zitiert sich selbst. Er ist wohl der einzige Regisseur, der ein Shot-für-Shot-Remake seines eigenen Werks machte. "Funny Games" wurde zweimal gedreht. Einmal in Österreich und ein paar Jahre später noch einmal auf Englisch in den USA.

Das Popliteratur-Remix-Buch Goethe feat. Charlotte Roche

Popliteratur kann so einfach sein. Wer sein eigenes "Axolotl Roadkill" schreiben will, für den haben wir ein paar vielversprechende Zitate zum Remixen zusammengekehrt.

Link-Teaser vom: 10.02.2010

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