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09.03.2010 Permalink Weiterempfehlen
Die Band Panzerballett auf der Couch

Jazz und Metal: Elemente, die auf den ersten Blick so gar nicht zusammen passen. Fünf Musiker aus München haben zumindest den perfekten Namen für diese krude Mischung gefunden: Panzerballett. Hier treffen intellektuell angehauchte Jazz-Arrangements auf wütende Metal-Ausbrüche. Ohne Tutu und rosa Seide, versteht sich.

Genuss brachialer Soundbetten

Der studierte Gitarrist und Komponist Jan Zehrfeld hat sich 2004 mit seinem Ensemble zusammengetan. Er sagt: "Ich war ständig wütend auf etwas." Panzerballett gibt ihm die Möglichkeit, seinem geballten Musikwissen genauso Gehör zu verschaffen wie seinen versteckten Aggressionen. Inzwischen haben die Münchner schon das vierte Album am Start. Auf "Hart Genossen: Von ABBA bis ZAPPA" kommen Popklassiker wie "Gimme Gimme Gimme (A Man After Midnight)" in den Genuss von brachialen Soundbetten und ausgeklügelten Jazz-Arrangements mit Saxophon.

Die Originale werden bis zur Unkenntlichkeit verschreddert. Neben einem Rammstein-Titel und Zappa-Medleys findet sich auf dem Album auch ihre ganz eigene Version der Simpsons-Titelmelodie.

Panzerballet liebt man. Oder man schaltet ab

Panzerballett lieben die technische Frickelei. "Warum einfach, wenn's auch schwer geht", schreiben sie auf ihrer MySpace-Seite. Problem dabei: Die Songs klingen zwar im Sinne eines Metal-Ensembles konsequent umgesetzt nach "Death Jazz", aber im Detail geht die Liebe doch ein bisschen verloren. Nicht zu engstirnige Metal-Fans und Jazz-Liebhaber kommen bei Panzerballett auf ihre Kosten, anderen könnte der brachial-empfindsame Kosmos der Band verschlossen bleiben. Vielleicht nutzen sie deshalb das Cover als Brücke. "Ein bisschen Frieden" in der Panzerballett-Version offenbart den ziemlich eigenwilligen Humor.

Gesang findet sich auf "Hart Genossen" nur spärlich, aber die Stimme von Jazzsängerin Conny Kreitmeier ist nicht nur auf dem neu eingespielten Grand-Prix-Hit aus dem Jahr 1982 zu hören. Sie verleiht auch dem Rammstein-Stück "Mein Teil" einen leicht psychopathischen Anstrich.

Fassen wir noch mal zusammen: Panzerballett gelingt die Rechnung Jazz plus Metal. Heraus kommt ein ganz eigener Soundkosmos. Dass der nicht jedem eine freie Eintrittskarte an die Gehörmuschel drückt, ist vermutlich sogar so gewollt. Diejenigen, die gerne zum Panzerballett tanzen, wird diese Kombo sicher gut unterhalten. Und vielleicht offenbart sich ja auch im Moshpit erst der bandeigene Witz.