Maker Faire : Die Heimwerkermesse der Hacker
Aus einem Wii-Controller wird eine Sprühdose, aus einem alten Prozessor eine Kaffemaschine. Die Aktivisten des Maker-Movement finden deinen Ipod ziemlich langweilig. Ein Besuch bei der ersten Maker-Messe in Europa.
Wer über die "Maker Faire" in Newcastle wandelt, kann sich bald ein breites Grinsen nicht verkneifen. Zu verrückt ist das hier. Überall arbeiten Menschen an Laptops, Lötkolben und elektronischen Schaltkreisen.
Selbstgebaute Roboter wuseln auf sechs Beinen über den Boden. Sie scannen das Gesicht eines Besuchers und folgen ihm dann eine Weile durch die Hallen. Es gibt LED-Ohrringe, die man selbst programmieren kann oder 8-Bit-Computerspiele Marke Eigenbau.
Besucher lassen sich von der "Brain Machine" hypnotisieren, einer Brille, die durch Lichtblitze Halluzinationen hervorruft. 3D-Drucker fertigen währenddessen neue Bauteile für ihre Projekte an.
Eine weitere Gruppe hat ein Keyboard an eine Tesla-Spule angeschlossen: Jedes Mal, wenn sie in die Tasten hauen, zucken elektrische Entladungen durch den Raum und spielen Musik aus Starkstrom. Warum das alles? "Weil wir es können", sagen die Maker.
Auf der Maker Faire kehren die Hacker zurück von der Soft- zur Hardware. 10.000 Besucher sind gekommen, um ihnen dabei zuzusehen. Seit einigen Jahren zieht die Do-it-yourself-Bewegung immer mehr Fans an. Die Messe in Newcastle ist nur der erste Ableger in Europa.
In den USA gibt es mittlerweile in vier Städten jährliche "Maker Faires". Die größte findet jeden Mai in der Nähe von San Francisco statt und zieht knapp 100.000 Besucher an. Ein Woodstock für Geeks und Nerds. Die Bewegung tauscht sich aus in Magazinen und Blogs.
Es sind Idealisten, die sich hier treffen – die Heimwerker des digitalen Zeitalters stellen ihre Entwürfe und Baupläne kostenlos für alle zum Nachbauen ins Netz. Die Do-it-yourself-Kultur ist auch Ausdruck der Selbstermächtigung des Konsumenten in Zeiten einer tiefen Vertrauenskrise zwischen Wirtschaft und Verbraucher. Das Mantra der Maker: "If you can't open it, you don't own it."


