Vorgestellt // Noah And The Whale : Bittersüße Symphonien
Auf und ab, Tragik und Komik, das liegt alles sehr nah zusammen. Bei Noah And The Whale auf Albumlänge. Das Quintett aus London startet 2011 mit einer neuen Platte, die das Trällern lehrt. Dabei fing doch alles ganz anders an.
Obwohl bei Noah And The Whale ganz klar das Lächeln dominiert, hat sich die Band von einem tragisch-komischen Film inspirieren lassen. Brooklyn, New York, im Jahr 1986: Die frustrierte Ehefrau Joan Berkman hat eine Affäre mit ihrem Tennislehrer. Bernard Berkman, als Autor in einer tiefen Schaffenskrise, beginnt in seiner Verzweiflung, mit einer Studentin ins Bett zu gehen. Die Ehe der Berkmans zerbricht, Söhne und Familienkatze sitzen zwischen allen Stühlen - und den beiden Domizilen der Eltern.
Es begann mit dem Tintenfisch und dem Wal

Bild: Cooperative Music
Die Londoner Folkrock-Band Noah And The Whale um Sänger Charlie Fink
Irgendwo zwischen durchgeschwitzten Tennissocken und tiefer Verzweiflung haben sich die vier Londoner Folker von Noah And The Whale in diesem Film gefunden: "The Squid And The Whale" - auf Deutsch "Der Tintenfisch und der Wal" - heißt der Film von Noah Baumbach, der Noah And The Whale den Namen gegeben hat. Ende 2006 schließen sich die Brüder Charlie und Doug Fink, Urby Whale und Tom Hobden zu einer Band zusammen. Anfangs wird das Jungs-Quartett noch von Laura Marling unterstützt, die mittlerweile als Singer/Songwriterin auf Solopfaden wandelt.
Das letzte Wort hat das Lächeln
Tatsächlich könnten die sanft-folkigen Stücke der Londoner als der Soundtrack zum Film durchgehen. "This Is A Song For Anyone With A Broken Heart" heißt es etwa zu Beginn des Songs "Blue Skies". Zwischen Gitarrenmelodien, vorsichtigen Chören, Bläsern, Pfeifern und Ukulele decken Noah And The Whale, die übrigens teilweise mit Mumford & Sons zusammen zur Schule gegangen sind, alle Gefühlswallungen ab: Von Frohsinn und Leichtigkeit über Grübeleien und Zweifel zu Verzweiflung und tiefem Herzschmerz. Trotzdem versuchen sie auf ihren Alben "Peaceful, The World Lays Me Down" (2008) und "The First Days Of Spring" (2009) immer dem Lächeln das letzte Wort zu lassen.
Carpe Diem mit Charles Bukowski
2011 widmen Noah And The Whale ihr Album "Last Night On Earth" komplett der Leichtigkeit. Das macht sich vor allem im poppigeren Gewand bemerkbar: weniger Ecken und Kanten, inszeniertes Leid und immer die Mundwinkel gen Norden. Und das, obwohl der Albumtitel eher düster klingt und auch die Referenzmarke Charles Bukowski an große Lebenskrisen erinnert. Aber: Noah And The Whale wählen den Tag!
Dass das auch live die Masche der Londoner ist, davon kann sich der geneigte Konzertbesucher überzeugen. Glastonbury, South By South West, Reading, Lollapalooza – Noah And The Whale haben bereits auf allen wichtigen Festivals überzeugt. Jetzt sind mal wieder die kleinen Clubs in Europa dran.
