Anthony Stark aka Iron Man (Robert Downey Jr.) ist Unternehmer. Typ: zeitgenössischer Kapitalist mit Vaterkomplex. Er fühlt sich klein, ungeliebt und missverstanden. Zu Kompensationszwecken macht er einen auf dicke Hose, trinkt, spielt und fährt schnelle Autos. Außerdem ist der schwerreiche Playboy mit ausgeprägtem Waffenfetisch der Meinung, dass er den Weltfrieden privatisiert hat. Für sich allein. Neben seiner psychischen Konstitution hat Stark aber auch noch ein paar andere Probleme. Seine größte Sorge: das Herz. Der Elektrotransmitter in Starks Brust ist der Quell seiner Stärke. Doch die Technik vergiftet ihn auch, weshalb Stark dringend eine alternative Energiequelle benötigt, um nicht sterben zu müssen.
Antiheld mit Tiefgang
"Iron Man 2" wartet in der ersten Filmstunde nicht mit den üblichen Actionszenarien auf, sondern ist vor allem eine Charakterstudie. Der zwiespältige Superheld Stark wird von Regisseur John Favreau in all seinen Untiefen ausgelotet. Kein anderer als Robert Downey Jr. wäre dabei in der Lage, dem Drecksack Stark noch so etwas wie Würde und Humor abzuringen. Doch der Teufelskerl schafft es und darf am Ende auch noch in das erwartete Actionfeuerwerk spurten. Denn im letzten Drittel wird "Iron Man 2" endlich zum erwarteten Spektakel, in dem die Bösewichter um Ivan Vanko alias Whiplash (Mickey Rourke) und dem Waffenmagnaten Justin Hammer (Sam Rockwell) wirklich ernst machen.
Starke Frauen, schwierige Handlung
Zwei veritable Bösewichte, viele Kleinstkonflikte und jede Menge Sidekicks machen den Plot von "Iron Man 2" ein wenig konfus und zu Beginn ein bisschen träge. Samuel L. Jackson als Nick Fury zum Beispiel wurde vor allem deshalb auf die Leinwand gehievt, um den kommenden "The Avengers"-Film inhaltlich vorzubereiten. Ganz nebenbei darf dann auch Oscarpreisträgerin Gwyneth Paltrow zeigen, dass sie noch im Filmbusiness tätig ist und Scarlett Johannson darf beweisen, dass aus ihr ein veritabler Actionstar werden kann. Dank dieser Star-Schwemme und des zweistündigen Handlungs-Overkills ist "Iron Man 2" im Ganzen wie eine üppige Sahnetorte aus Zelluloid: Am Anfang freut man sich tierisch auf sie, nach dem Verzehr ist einem erstmal schlecht, bevor man kurz darauf gleich wieder loslegen möchte mit totaler Comicvöllerei und Marvel'schem Wahnsinn.
Das müsst ihr sehen: Robert Downey Jr. in Hochform
1. "Chaplin" – Richard Attenboroughs Biopic über Charlie Chaplin hat Robert Downey Jr. zum Star gemacht. Dafür gab es auch eine Oscar-Nominierung. Und wieso Downey die nicht gewonnen hat, das weiß eigentlich nur Al Pacino.
2. "Good Night and Good Luck" – Das amerikanische Fernsehen vs. Joseph McCarthy. George Clooney beweist sein Talent als Regisseur und Downey Jr. glänzt in einem Ensemble fantastischer Schauspieler.
3. "Zodiac" – Ende der 1960er Jahre treibt der sogenannte Zodiac-Killer in San Francisco und Umgebung sein Unwesen. Robert Downey Jr. und Jake Gyllenhaal ermitteln als investigatives Journalistenpärchen.
