Klauen, zitieren, basteln. Scheinbar Unvereinbares ganz nah beisammen präsentieren, munter zwischen den Genres springen und dabei einen eigenen Stil kreieren. Mit dieser Herangehensweise sind Kafkas Orient Bazaar sicher nicht alleine. Heraus kommt bei ihnen ein ganz eigener, gleichermaßen tanzbarer wie wütender Sound.
Schon 2005 treffen sich die beiden Band-Gründer Julian Riegl und Attila Breif an Gitarre und Bass, um gemeinsam Musik zu machen. Sie experimentieren, sie probieren aus, ohne an ein klassisches Bandlineup gebunden zu sein. Das ändert sich auch nicht, als später ihr Schlagzeuger Christoph Kolb dazu kommt: Julian und Attila tauschen gerne mal Instrumente, wer die Hände frei hat spielt Synthesizer. Gesungen wird auf deutsch, englisch und türkisch. Für das aktuelle Album der Münchner "Die Neue Farbe" (April 2010) stößt Adrian von Le Suire an den Keyboards dazu. Und noch jemand bastelt an dem Album mit: Tobias Helmlinger, Ex-Mitglied bei The Robocob Kraus und jetzt aktiv bei UhOH!. Und diese Zusammenarbeit ist geglückt: Die Songs funkeln nervös zwischen alt und neu.
Zwischen Indie, Elektropop und Hardcore
"Staub" ist ein Hybrid aus unterschiedlichsten Elementen: In nur knappen zwei Minuten treffen poppige Synthie-Linien a la Frittenbude auf eine Stimme die vor Wut und Aufruhr an die Grenzen geht und gleichzeitig an Mediengruppe Telekommander zu erinnern weiß. Die rhythmischen Betonungen sind unkonventionell und die Gitarren laut und krachig. Und ihre Vielfältigkeit spiegelt sich auch in denTexten wieder: Ironische Zeilen wechseln sich mit ernsten Anliegen ab.

Bild: Kafkas Orient Bazaar
Kafkas Orient Bazaar sind Adrian, Attila, Christoph und Julian.
Kafkas Orient Bazaar leben offensichtlich recht gut in ihrem eigenen Universum, und sie haben definitiv nicht vor, Teil einer Jugendbewegung zu werden. So eigenbrötlerisch, wie sie sich geben, so erfolgreich sind sie mit ihrer Strategie: Eine Reihe Fanzines wie das OX und das Noisy Neighbours loben die neue Platte und auch bei Kavka vs The Web wurden sie im März 2010 zum Newcomer der Woche gewählt. Auf ihrem Release-Konzert im Atomic Café in München schwitzten 250 Fans. Entsteht da womöglich ein Hype? Wir werden sehen. Jetzt geht’s erstmal raus auf die Bühnen Deutschlands. Mit diesen wilden, energiegeladenen Songs im Rücken kann das ja nur richtig, richtig gut werden.
