Die Frage on3-radio : Was soll ich mit meinem Geld machen?
Bankrotte Staaten, schwacher Euro und gigantische Staatsschulden. Europa erlebt die größte Finanzkrise der Nachkriegszeit. Geht dabei auch unser Vermögen drauf? Eine Spurensuche auf den Fersen des Geldes.
von on3-Reporter Sebastian Nachbar
Es ist der Gestank der Hysterie. Er treibt Anlegern die Tränen in die Augen und vernebelt einen klaren Blick. Dabei wäre der so wichtig, gerade jetzt: Der Euro, einst als starke Alternative zum Dollar gedacht, ist zum Krisenfall mutiert. Sagen zumindest die Experten. Das Vertrauen der Anleger fehlt, sie legen mittlerweile ihr Geld wieder in dollar-notierten Angeboten an. Die Euroländer halsen sich Schuldenberge biblischen Ausmaßes auf, um den Euro irgendwie zu stützen - auf Kosten der Steuerzahler. Trotzdem: Die Währung verliert an Wert. Es droht Inflation.
Viele Fachbegriffe, die alle irgendwie schlimm klingen und es bestimmt auch sind. Und doch merkt der Einzelne jetzt noch wenig davon. Doch wie lange bleibt es dabei?
Die komplette Sendung gibt's hier zum Nachhören
Ist alles nur Panikmache, oder zerstört die Gier der Banker das Vermögen der Menschen? Wem kann überhaupt noch guten Gewissens Geld anvertraut werden? Oder ist Schulden machen sowieso die beste Lösung? on3 sucht nach Antworten. Eine Spurensuche auf den Fersen des Geldes.
"Dem Management muss wieder Integrität beigebracht werden"
Der Mensch ist gierig. "Völliger Blödsinn", sagt Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann. Das System krankt an der Verantwortungslosigkeit und dem Gewinnstreben der Manager. Er fordert ein radikales Umdenken bei deren Ausbildung – angefangen beim BWL-Studium.
Die Unschuldsengel von der Börse
Die Reise durch den Geldkreislauf führt in die deutsche Hauptstadt des Geldes: nach Frankfurt am Main. Hier gibt es Niederlassungen von mehr als 300 international tätigen Kreditinstituten, im Ranking der weltweiten Finanzplätze ist die Stadt auf Platz Acht. Bulle und Bär, die weißen Arbeitsinseln, die großen Börsentafeln - die Frankfurter Börse kennt jeder aus der Tagesschau. Doch das ist nur Kulisse für das Fernsehen, sagen die Börsianer. Und bei Weitem nicht alles, was hier in Sachen Geld passiert. Glaubt man den Brokern, werden die richtig großen, spekulativen Geschäfte nicht an der Börse getätigt, sondern in Hinterzimmern der Banken. Sie sagen, auf dem Parkett laufe alles sehr reguliert ab, es gebe schließlich Gesetze. Grund genug, nachzufragen, was mit dem Geld der Anleger eigentlich passiert. Und wer Schuld an der Krise hat.
Sie verschieben Milliarden wie Marktschreier Kohlköpfe - die Frankfurter Börsianer. An der Krise sind sie angeblich unschuldig, die Bösen sitzen woanders. Wer macht denn nun den Euro kaputt? Ein Besuch in der Hauptstadt des Geldes.
Einmal Broker Rot-Weiß, bitte
Einer, der dem glatten und bisweilen schmierigen Börsenparkett den Rücken gekehrt hat ist Thomas Brauße. Früher gehörten Millionenbeträge zu seinem täglich Brot – jetzt packt er Würste in selbiges. Nach der Kündigung von seinem Job als Wertpapierabwickler im Herbst 2008 hat Thomas Brauße eine Imbissbude eröffnet - direkt neben dem Frankfurter Messeturm, wo Schlipsträger auf Bauarbeiter treffen. Er will sein Geld mit ehrlicher Arbeit verdienen , sagt er, während sich die Spekulanten im feinen Zwirn ihre Currywurst abholen. In die Welt von früher, dahin will er nicht zurück.
Früher flossen durch seine Hände Millionen, heute schwingen sie die Würstchenzange. Thomas Brauße flog 2008 als Wertpapierabwickler raus, tags darauf eröffnete er eine Imbissbude im Frankfurter Bankenviertel. Wer für ihn an der Eurokrise Schuld ist? Wir alle.
Sie sähen Spinat und ernten Glück
Eine noch radikalere Abkehr vom Geldsystem wagen Michael und Lisa. Eine Autostunde von Wien entfernt wagen sie das Experiment Selbstversorgung. Ihr Essen wächst im Garten, ihre Versicherungen haben sie gekündigt, für die Miete hacken sie Holz beim Bauern. Das klingt nach dem Traum aller Öko-Hardliner – und ein bisschen ist es das auch. Allerdings ist das Lebensmodell von Lisa und Michael weitaus mehr als reine Ideologie.
Essen aus dem Garten, Wasser aus der Quelle, Brennholz vom Bauern: Für ihren Lebensunterhalt erzeugen die Selbstversorger Michael und Lisa so viel wie möglich selbst. Dahinter steckt tiefe Überzeugung. Und wirtschaftliches Kalkül.
Geschäftsmodell Genossenschaftsbank
Wer allerdings nicht auf Geld verzichten will, muss sich irgendwann Gedanken über dessen Anlage machen. Und zwar auch dann, wenn er nicht zocken will. Die meisten sind das, was man landläufig Sparer nennt. Die Deutschen haben insgesamt 4,8 Billionen Euro auf der hohen Kante. Ein Drittel dieses Vermögens liegt traditionell bei Banken auf Sparkonten. Nur knapp zehn Prozent davon sind in Aktienpapieren oder Fonds angelegt. on3-Reporter Sebastian hat 1.000 Euro übrig und will, dass dieses Geld sich vermehrt. Deshalb fährt er dorthin, wo er sein Geld hinträgt, seitdem er 15 Jahre alt ist: nach Westendorf im Allgäu, in die Filiale der Raiffeisenbank. Er will herausfinden, was die Bank eigentlich mit seinem Geld anstellt, wie sie es investiert und ob es dort sicher ist.
Kleinere Renditen, dafür solides Wirtschaften - so arbeiten die Genossenschaftsbanken. Der größte Teil des Geldes fließt wieder in regionale Investitionen, sagt Bankberater Andreas Kohler. Und für den Fall, dass doch mal was schiefgeht, wird gespart.
Vor und nach der Sendung: Recherchen und persönliche Eindrücke unseres Reporters zum Mitverfolgen und Mitdiskutieren.
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