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Die Frage on3-radio Brauchen wir die große Liebe?

Die Liebe ist auch nicht mehr das, was sie mal war: On-Off-Verhältnisse, Fernbeziehungen, ewige Singles. Und das Versprechen der Moderne, es könne immer noch bessere Partner geben. Unsere Frage: Brauchen wir die große Liebe?

von on3-Reporter Michael Bartlewski

Brauchen wir die große Liebe

Liebesromane, Liebesfilme und Millionen Liebeslieder – wir alle suchen nach dem Lieblings-Menschen fürs Leben. Vier von fünf jungen Menschen in Deutschland glauben an die große Liebe. Das hat die Zeitschrift Neon (wer sonst?) in einer Umfrage herausgefunden. Auch eine Studie des Allensbach Instituts zeigt, dass die Zahl derer, die an die große Liebe glauben, gestiegen ist.

Das sind überraschende Zahlen, denn ist es nicht so, dass die Liebe eigentlich immer schwieriger wird? Die Angst vor lauter Selbstverwirklichung sich dauerhaft zu binden, On-Off-Verhältnisse, Fernbeziehungen oder im Gegenteil: die vielen einsamen Singles, die in Partnerbörsen ihr Glück suchen.

Zwar ist die Zahl der Eheschließungen laut Statistischem Bundesamt in den vergangenen 40 Jahren unverändert geblieben, dafür hat sich die Scheidungsrate nahezu verdoppelt.

Die Sendung zum Nachhören

Der Satz "Ich liebe nicht" ist das Kennzeichnen unserer Zeit, glaubt der Berliner Soziologe Jens Hillenkamp. In seinem Buch "Das Ende der Liebe" beschreibt er uns "freie Menschen", als "Suchmaschinen", die im "Liebesextremismus" leben, weil wir glauben, dass uns immer jemand besseres über den Weg laufen kann. Aus unserer Freiheit der Partnerwahl wird ein ständiger Zwang einen perfekteren Partner zu finden, nur leider gibt es den nicht.

Ein Soziologe erklärt das "Ende der Liebe"

Sven Hillenkamp Soziologe und Buchautor, Die Frage on3-radio

"Man kann sein Gefühlsleben nicht bearbeiten wie seinen Vorgarten."

Das ganze Interview mit Sven Hillenkamp könnt ihr hier nachhören.

Genau diesen perfekten Partner versprechen uns die zahlreichen Online-Börsen im Internet. "Liebe ist kein Zufall", "Wir verlieben Dich", "Den Partner finden, der wirklich zu Ihnen passt" – so lauten die Slogans. Denn dank ihrer "wissenschaftlichen" Beziehungstyptests sei der "Traumpartner fürs Leben" nur ein paar Klicks entfernt. Bis zu 130 Euro können die Flirt-Seiten pro Monat kosten. Die Zielgruppe ist groß: Es gibt in Deutschland 11,2 Millionen Singles– das hat zumindest eine repräsentative Umfrage eines Internet-Dating-Dienstes ergeben. Fünf Millionen Deutsche suchen angeblich via Online-Dating.

Aber ist das Ganze wirklich so wissenschaftlich, wie uns die Portale versprechen?

Der "Liebesforscher" Manfred Hassebrauck von der Universität Wuppertal forscht seit über 30 Jahren über die Liebe: Wen finden wir anziehend? Warum verlieben wir uns? Wie hält eine Beziehung? Das sind Fragen, die er in seiner Laufbahn schon mit Tausenden von Paaren erforscht hat. Für Friendscout hat er den Partner-Suche-Algorithmus entwickelt.

Der Forscher mit dem Liebes-Algorithmus

Liebersforscher Manfred Hassebrauck von der Universität Wuppertal

"Wenn zwei sich verlieben, die nach meinem Algorithmus zueinander passen, dann funktioniert es auch langfristig gut."

Der Sozialpsychologe Manfred Hassebrauck ist überzeugt, Liebe lässt sich in Zahlen fassen. Das ganze Interview gibt es hier.

Aber mögen die Partnersuch-Algorithmen noch so ausgereift sein. Auch dort werden viele Menschen auf der Suche nach der Liebe nicht fündig. "Unfreiwillige Singles" – das ist der Fachbegriff für Menschen ab 20 aufwärts, die noch keine Erfahrungen mit Beziehungen gemacht haben. Einer von ihnen ist der Filmemacher Wolfram.

Der Dauer-Single

Die Frage on3-radio Brauchen wir die große Liebe

"Wenn ich mich für eine Frau interessiere, geht es immer in die Hose."

Das ganze Interview mit Wolfram gibt es hier.

"Warum lange mit der Suche auf die große Liebe warten, wenn doch gleichzeitig so viele willige Liebes-Partner durch die Gegen schwirren? Das denken sich die Anhänger des Pick-Up – eine Bewegung aus den USA, die es sich zum Ziel macht, möglichst methodisch Frauen anzusprechen und aufzureißen. Dafür haben sie sogar eine eigene Sprache: Cock Block, Average Frustrated Chump, Fuck Buddy oder Last Minute Resistance – das sind Vokabeln aus der Pick-up-Welt ...
Die Münchner Pick-Up Community trifft sich im Forum "munich lair". Eigentlich reine Männersache dort, eine der wenigen weiblichen Mitglieder ist Irina. Sie studiert Psychologie und gibt Pick-Upp-Künstlern Tipps für den perfekten Aufriss oder wie man die klassischen Modesünden vermeidet.

Die Verführungskünstler mit offener Beziehung

Pick Up Expertin Irina

"Ich verstehe nicht, warum die Menschen denken, dass die Liebe vom Himmel fällt."

Irina lebt zur Zeit in einer offenen Beziehung. Sie denkt, man muss sich austoben, wenn man jung ist.

Sich austoben? Möglichst viele Partner ausprobieren? Das hatten Sarah und Flo aus München nie nötig. Seit zehn Jahren sind sie ein Paar – kennengelernt haben sie sich mit 16 und seitdem haben sie nie das Bedürfnis nach einem neuen Partner verspürt. Auch wenn sie keine richtige Beziehung davor hatten.

"Brauchen wir die großen Liebe?" Bei dieser Frage leuchten ihre Augen. Und sie antworten fast simultan. Wir schon.

Das frisch verheiratete Pärchen

Sarah und Flo

"Bei uns passt es einfach."

Ihren Geschmack haben Sarah und Flo gemeinsam entwickelt. Ihre Wohnung in München ist fast ein kleines Popkultur-Museum voller Flyer und 60ies-Utensilien. Das ganze Interview gibt es hier.