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14.07.2010 Permalink Weiterempfehlen

Fusion im Ticketgeschäft Kartell der Konzerthaie

Hochzeit zweier Riesen: Der weltgrößte Konzertveranstalter und der weltgrößte Ticketvertrieb fusionieren. In Deutschland brauchte es dafür keine Genehmigung. Wer darunter leiden muss? Natürlich die Kleinen. Und der Kunde.

Lady Gaga

Lady Gaga rockt ab, der weltgrößte Konzertveranstalter zockt ab: Live Nation bringt den Popstar in Deutschland auf die Bühne - und verdient an jedem Ticket mit

Mag sein, dass die Kontrollbehörden Paragraphen hatten, die eine derartige Machtkonzentration rechtfertigen – mit gesundem Menschenverstand betrachtet erscheint es absurd: Live Nation, größter Konzertveranstalter der Welt, und Ticketmaster, größter Ticketvertrieb der Welt, machen gemeinsame Sache. Bedenklich am neuen Unternehmen Live Nation Entertainment: Es betreibt weltweit mehr als 100 Konzertsäle, betätigt sich als Plattenfirma und managt Künstler wie Jay-Z, Madonna, Christina Aguilera und Aerosmith. Eine Marktmacht, die gefürchtet wird.

Michael Löffler vom deutschen Konzertveranstalter Target Concerts aus München kann die Fusionsgenehmigung nicht verstehen. Gerade aus einem deutschen Standpunkt heraus. Er sagt:" Kultur ist in Amerika schon jetzt Kapitalismus in Reinform und diese Entscheidung verstärkt diesen Prozess". Für ihn wir vor allem einer darunter zu leiden haben: Der Endkunde. Klaus Zemke, Geschäftsführer von Ticketmaster Deutschland, sieht das anders. Er geht davon aus, dass sich der Markt selbst regulieren wird: "Wenn die Marktmacht zu stark ausgenutzt wird, insbesondere preislich, dann entstehen neue Player, die sich gut aufstellen."

Im Krieg der Großen sterben die Kleinen

In Deutschland musste die Fusion nicht geprüft werden: Hierzulande war Live Nation bis März nur mit Ticketmaster vertreten, mit einem geringen Marktanteil. Seit März bringt Live Nation jedoch auch in Deutschland Acts wie Lady Gaga und Stevie Wonder auf die Bühne. Und könnte bald auch damit beginnen, kleineren Veranstaltern das Wasser abzugraben. Michael Löffler von Traget Concerts befürchtet, dass sich die großen Konzertveranstalter vor allem gegenseitig bekriegen werden: "Sobald sie bei bekannteren Künstlern Anteile verlieren, müssen sie sich unten bedienen". Das würde dann die kleineren Mitbewerber treffen.

Konkurrenz belebt das Geschäft

So besorgniserregend ein Kolloss wie Live Nation Entertainment ist – es gibt einen positiven Aspekt: Solange dem Riesen in Deutschland die Marktmacht wie in USA und England fehlt, ist gesunde Konkurrenz für den hiesigen Markführer CTS Eventim. Und der rüstet schon mal vorsorglich auf: Eventim hat kürzlich Ticket Online geschluckt – die Nummer zwei im deutschen Ticketmarkt. Vieles deutet darauf hin, dass zwischen diesen Konzernen ein Machtkampf entsteht – und vielleicht führt der am Ende sogar dazu, dass die Konzertkarten wieder bezahlbarer werden.