Film // Inception : Genialer Mainstream
Nach "The Dark Knight" bringt Christopher Nolan gleich den nächsten Hammer in die Kinos. Mit "Inception" hat das Regie-Wunderkind die perfekte Mischung zwischen Mainstream und Anspruch gefunden und ist damit endgültig zum Großmeister aufgestiegen.
Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) ist Meisterdieb und der beste Mann auf dem Gebiet der Extraktion. Dabei dringt Cobb in die Träume fremder Menschen ein und stiehlt deren geheimste Gedanken. Cobbs Kunden sind alle aus der Wirtschaft. Der Auftrag, den Großindustriellen Saito (Ken Watanabe) um wichtige Informationen zu beklauen, schlägt fehl, und Cobb landet auf der Abschussliste seines Auftraggebers. Glück für Cobb, dass ihm sein letztes Opfer Saito selbst ein Angebot macht: Um Schutz und Freiheit zu bekommen, soll Cobb für Saito beim Konzern-Erben Robert Fisher Jr. (Cilian Murphy) eine sogenannte Inception durchführen. Bei einer Inception sollen – im Gegensatz zur Extraktion – keine Geheimnisse aus der Traumwelt geklaut werden, sondern ein Gedanke im Unterbewusstsein der Zielperson eingepflanzt werden, die deren Handeln in der Zukunft bestimmt. Eigentlich gilt eine Inception als unmöglich, doch Cobb nimmt Saitos Angebot an. Er möchte nach diesem letzten Coup endlich zu seinen beiden Kindern in die USA zurückkehren. Die hat er seit dem Tod seiner Frau Mal (Marion Coutillard) nicht mehr gesehen. Ihm wird vorgeworfen, Mal getötet zu haben – seither ist er auf der Flucht.
Die perfekte Symbiose
"Inception" ist ein Kinowunder. Dass ein Film in dieser Dimension (Länge: 148 Minuten. Budget: 160 Millionen Dollar) mit einem derart vertrackten Drehbuch überhaupt realisiert wurde, ist allein dem rasanten Aufstieg des Wunderkinds Christopher Nolan zu verdanken. Nach seinem Milliarden-Dollar-Hit "The Dark Knight" genießt der gerade mal 39-jährige Engländer absolute Narrenfreiheit.
Die Idee zu "Inception" hatte Nolan schon vor vielen Jahren, doch erst nach ein paar Kritiker-Lieblingen und Blockbustern konnte Nolan den Film realisieren. Er hat damit die perfekte Symbiose aus Arthouse-Kino-Kopfgeburt und Big-Budget-Science-Fiction-Kracher geschaffen.
Purer Realismus

Bild: Warner Bros. Pictures
Eine Stadt steht senkrecht
"Inception" gleitet Sekunde um Sekunde tiefer in die Welt der Träume. Diese liefern den Schauplatz für ein spektakuläres Heist-Movie im Stil der "Oceans"-Reihe, für einen harten Agentenfilm in der Tradition von James Bond und für ein spannendes Verwirrspiel à la Nolans "Memento". Vor lauter Hatz, Thrill und Traumwelt-Verwirrung vergisst man am Ende sogar, dass "Inception" auch einige Schwächen hat. So sind die meisten Figuren nicht für sich selbst interessant oder vielschichtig, sondern lediglich Handlungs-Spielball für Nolans große Kopfgeburt. Auch Nolans altes Problem, sich in aufwändigen Actionszenen heillos selbst zu verwirren, wird in "Inception" wieder sichtbar. Trotzdem: "Inception" ist groß, gekonnt und betörend. Ein wunderbares Beispiel dafür, dass Hollywood-Großproduktionen nicht kalkuliert publikumswirksam auf bewährte Handlungsmuster zurückgreifen müssen, sondern auch innovativ und anspruchsvoll sein dürfen.
Das müsst ihr sehen: Christopher Nolans frühe Meilensteine
1. "Following" – Der erfolglose Schriftsteller Bill beobachtet andere Menschen und verfolgt sie. Dabei wird er vom Einbrecher Cobb ertappt. Cobb führt Bill in seine Welt ein und geht mit ihm auf gemeinsame Raubzüge. "Following" ist das Filmdebüt von Nolan und zeigt schon sein ganzes Talent für spannende Verwirrspiele.
2. "Memento" – Leonard hat seit dem Mord an seiner Frau sein Kurzzeitgedächtnis verloren. Er macht sich auf die Suche des Mörders, speichert wichtige Informationen mit Hilfe von Tattoos auf seinem Körper und erinnert sich an Orte und Menschen durch Polaroids. "Memento" ist ein fiebriger Thriller und der ultimative Mindfuck.
3. "Insomnia" – Die Mitternachtssonne in Alaska macht dem Ermittler Will Dormer zu schaffen. Wegen der ständigen Helligkeit kann er nicht schlafen und beginnt während seiner Untersuchungen im Falle eines Kindermordes regelrecht zu halluzinieren. Als er bei der Jagd auf den Mörder im Nebel der Wälder seinen Partner erschießt, beginnt Dormer selbst an seinem Verstand zu zweifeln.
