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06.09.2010 Permalink Weiterempfehlen

Geschichte der Piratenradios Sendemasten, die die Welt bedeuten

Internet-Zugang, Laptop, Mikrofon - mehr braucht es heute nicht, um zur Radiostation zu werden. Vorbei die Zeiten, in denen Piratenradios die graue Poplandschaft einfärbten. Eine Historie der Piratenradios.

Radio Rock Revolution

Piratenradios geben Minderheiten eine Stimme, sie kämpfen gegen staatliche Behörden oder versuchen – wie der Sender "Voice of Peace" - den Nahost-Konflikt zu lösen. Aber vor allem ist die Geschichte der Piratenradios eine musikalische Geschichte. Eine Lektion in Sachen Gegenöffentlichkeit. Denn wenn die offiziellen Programme immer die gleichen Hits senden, sorgen Piratenradios im besten Falle für den Sound der Stunde.

Es ist kein Zufall, dass die Hochburg der Piratenradios in England liegt. Gerade einmal zwei Stunden Popmusik pro Woche gab es in den Sechzigern auf der "alten Tante" BBC zu hören. Zu wenig um den Hunger der britischen Bevölkerung nach Rock'n'Roll zu stillen.

Die Piratenradios nutzten den rechtsfreien Raum der internationalen Gewässer vor der Küste Englands um von Schiffen und verlassenen Abwehrplattformen aus dem zweiten Weltkrieg zu senden. Und sie fanden schnell viele begeisterte Hörer - denn ihr Programm klang anders, als das was Briten von ihren offiziellen Programmen bis dato gewöhnt waren. Es wurden Werbejingles gespielt, über Liedanfänge moderiert. Und es wurde geflucht.

Aus Piraten werden Radiostars...

Radio Rock Revolution

Die DJs erzählten Anekdoten aus dem wilden Alltag auf dem Schiff und versorgten die Rock’n’Roll-Fans mit der neuesten Musik. Die kantigen Personality-Shows machten die Moderatoren im Laufe der Zeit selbst zu Popstars. Der berühmteste Sender dieser Ära war Radio Caroline, dessen Geschichte zur Vorlage des erst kürzlich erschienen Films "Radio Rock Revolution" wurde.

Mitte der 70er stehen sie vor der Bedeutungslosigkeit

1967 erlässt die britische Regierung den "Marine Offences Act", der das Senden vom Meer aus für illegal erklärt, da dadurch die Signale andere Schiffe und der Polizei gestört werden könnten. Noch im selben Jahr reagiert die BBC mit der Gründung der Popwelle Radio 1, auf der auch ehemalige Piraten-DJs wie der legendäre John Peel eigene Sendungen bekamen. 1973 verlor die BBC dann ihr Monopol und in England konnten auch kommerzielle Lokalradios gegründet werden. Die Piraten waren im Begriff in die Bedeutungslosigkeit abzudriften.

"And House music was born"

Erst gegen Ende der Achtziger boomen die Do-It-Yourself-Radios auf der Insel wieder. Die House-Welle schwappt aus den USA nach England. Und wieder ist die neue Musik, die die Leute hören wollen, auf keiner der legalen Stationen zu hören.

Screenshot Ofcam Medienbehörde

Also nimmt die Szene das Heft selbst in die Hand. Diesmal werden die Sendemasten auf den Dächern der Hochhäuser in London installiert. Auch die großen Genres der Neunziger wie Jungle, Drum'n'Bass und Garage gibt es nur bei den Illegalen. Anfang des neuen Jahrtausends verhelfen sie Grime und später Dubstep zum Durchbruch. Neben der Musik werden chaotische Moderationen und das ständige Grüßen von Freunden und Hörern zum Markenzeichen der Piratenradios. Hoffentlich bleiben sie uns noch lange erhalten.