Nachwuchsförderung im Basketball : Von König Fußballs Gnaden
WM-Viertelfinale verpasst, der deutsche Meister ohne Spielstätte, das Hoffnungsteam Erding gescheitert – nur der FC Bayern verbreitet derzeit Hoffnung in Basketball-Deutschland und startet einen Rettungsversuch für den Nachwuchs.
In den deutschen Medien bekommt man von der derzeit laufenden Basketball-WM in der Türkei fast nichts mit. Der Grund: Die deutsche Nationalmannschaft ist schon in der Vorrunde ausgeschieden. Kein Wunder, immerhin ist das junge Team um Trainer Dirk Bauermann unerfahren in großen Wettkämpfen. Seitdem Leistungsträger wie Dirk Nowitzki oder Pascal Roller aus dem Kader geschieden sind, ist der Nachwuchs gefragt - und den gibt es schlichtweg kaum.
Viertelfinale war das Minimalziel der deutschen Basketballer bei der WM - rausgeflogen sind sie in der Vorrunde.
Schuld ist ein grundsätzliches Problem: Je weniger Mannschaften international erfolgreich spielen, je schlechter die Nationalmannschaft bei Welt- und Europameisterschaften abschneidet, umso unattraktiver ist der Sport für Sponsoren, die das dringend benötigte Geld einbringen könnten. Die Konsequenz: die Vereine können sich keine Nachwuchsförderungen leisten und haben nur Geld für ihre Profimannschaften. Die Jugend geht leer aus.
Ein Mäzen im Rücken ist keine Garantie
Beispiel Erding: Die "Baskets" wollten durch ein Nachwuchsprogramm bis in die zweite Bundesliga aufsteigen. Mit finanzkräftigem Sponsor im Rücken waren sie auf einem guten Weg. Dann stellte sich die Stadt quer, wollte sich die Hallennutzung teuer bezahlen lassen. Die insgesamt 20.000 Euro pro Jahr konnte der Erdinger Regionalligist - selbst mit Mäzen im Rücken - nicht bezahlen. Der Sponsor zog sich zurück, die Lizenz ging verloren. Junge Talente stehen nun ohne Vertrag da, der Verein beginnt bei Null. Mit einem Minimalbudget.
Genau das darf nicht noch mal passieren, sonst ist definitiv die letzte Chance vertan, Basketball in Bayern zu etablieren. So sieht es zumindest die Führung des größten Fußballvereins Deutschlands: des FC Bayern. Präsident Uli Hoeneß, selbst bekennender Basketballfan, öffnet für das Projekt Nachwuchsförderung den Vereinsgeldbeutel und investiert rund eine Million Euro in Basketballmannschaft und Basketballnachwuchs des Münchner Vereins. Unter anderem wurden bereits Nationalcoach Dirk Bauermann als Trainer und zwei Nationalspieler für den Kader verpflichtet.
In München finanziert der Fußball den Basketball
Hat sein Herz für Basketball entdeckt: FC Bayern-Präsident Uli Hoeneß.
Eine solch vorbildliche Nachwuchsförderung kann sich kaum einer neben dem FC Bayern leisten. Die Basketballabteilung des Münchner Traditionsclubs profitiert von 16 Jahren gewinnbringender Arbeit der Fußballer. Knapp 80 Millionen Euro wurden in diesem Zeitraum in die Vereinskassen gespült und finanzieren damit nun auch die Entwicklung des Basketballs. Das liegt auch am Credo des Präsidenten: Es gehe immer nur miteinander, sagt Uli Hoeneß.
Das Engagement ist alles andere als uneigennützig
Der Verein legt damit den Grundstein für ein umfassendes Nachwuchsprogramm. Bayerische Clubs können eine Kooperation eingehen, bekommen finanzielle Unterstützung, Trainerseminare und Ausrüstung gestellt. Das heißt aber nicht, dass der FC Bayern ein solches Programm uneigennützig aufzieht. Die größten Talente sollen nicht etwa bei ihren Heimvereinen Karriere machen - sie sollen an die Säbener Straße wechseln. Diejenigen Spieler, die nicht den Durchbruch schaffen, die dürfen die Kooperationsvereine behalten.
König Fußball regiert Deutschland
Nicht nur sportlich, sondern auch mit beeindruckenden Zahlen: Jedes Wochenende kommen durchschnittlich 42.000 Zuschauer ins Stadion, die Bundesligaspieler kassieren insgesamt Gehälter von über 800 Millionen Euro. Und: 2009 setzte die Bundesliga erstmals über zwei Milliarden Euro um. Anderen Sportarten bleibt da nicht mehr als ein neidischer Blick. Eishockey, Handball und Basketball, die drei stärksten Sportarten nach Fußball in Deutschland, kommen zusammen auf einen Umsatz von rund 230 Millionen Euro. Das ist gerade mal ein Zehntel.
