Vorgestellt // MIT : Analog ist besser
Das Alte bewahren, um damit etwas Neues zu machen. Klingt konservativ, ist aber die Philosophie von MIT. Mit analogen Synthies bringen sie den kühlen Kraftwerk-Sound ins Hier und Jetzt.
Analoge Synthesizer, groß wie Waschmaschinen, verbunden mit einem Kabelsalat, den eigentlich nur eingeweihte Frickler verstehen. Das ist die Umgebung, in der sich MIT wahrscheinlich am wohlsten fühlen. Die Band aus Berlin/Düsseldorf setzt sich ganz bewusst mit den Anfängen der elektronischen Musik Made-In-Germany auseinander. Und das auch ganz konkret: Der Künstler Emil Schult, ehemaliges Mitglied bei Kraftwerk und mitverantwortlich für die Lyrics von Klassikern wie "Das Model" oder "Autobahn", ist seit etwa einem Jahr eine Art Mentor für die Band. Er berät Edi, Tamer und Felix bei allem, was heute wichtig ist, wenn man Musik macht: Performance, Texte, Artwork und natürlich Klang. Und der hat sich bei MIT in den letzten Jahren weiterentwickelt.
Gleich im Vorprogramm von Peaches
2005, noch im Jahre ihrer Gründung, eröffnen sie schon ein Konzert von Peaches in Köln. Den Manager hat das spontan zugesteckte Demo einfach überzeugt. Und beim Publikum kommen die drei Jungs fast noch besser an, als Peaches samt Kollegen Taylor Sawy und Gonzales. Der MIT- Sound ist damals noch rotziger Elekto-Punk. Der Gesang von Edi ist hysterisch-aggresiv, er singschreit sich förmlich durch die Songs. Aber hey: Was will man von wütenden Teenagern kurz vor dem Abitur auch anderes erwarten?
Nach Club-Gigs in England mit Bands wie Gossip oder den Test Icicles veröffentlichen MIT 2008 ihr erstes Album: "Coda". Der Gesang wird spärlicher und die wabernden Synthie-Flächen erinnern immer mehr an die Zeit, in der die elektronische Musik entstanden ist. Ihr aktuelle Platte "Nanonotes" schließt an das Debüt an und bringt die selbst auferlegte Bandphilosophie auf ein neues Level: Mit Hilfe der alten Sounds moderne Musik machen.
Im Studio von Simian Mobile Disco
Mit Jas Shaw von Simian Mobile Disco als Produzenten haben MIT einen Bruder im Geiste gefunden. Er war bei den Aufnahmen von "Nanonotes" der Wizard, der in seinem Londoner Studio den Klang der Band in die richtige Richtung gelenkt hat. "Er hat genau die Instrumente, die wir gebraucht haben", sagt Tamer in einem Interview. Nach dem ersten Treffen ist die Richtung klar. "Nanonotes" ist Techno-Pop im besten Sinn: Tanzbar, eingängig und hat Lyrics, die man auch Tage später noch im Kopf haben wird.
Analoge Synthies pluckern vor sich hin und mischen sich mit den minimalen Beats, die Felix ins Schlagzeug hämmert. Der Gesang von Edi ist ruhig, manchmal mechanisch unterkühlt und die Texte hätten sicher auch gut ins Cabaret Voltaire gepasst – dem Ort, an dem der Dadaismus laufen gelernt hat. Live kommen MIT übrigens ohne schweres Gerät aus: Moog, Schlagzeug und Mikrofon. Mehr braucht es heute nicht, um altmodisch modern zu sein.
