Vorgestellt // Those Dancing Days : Tanzzwang garantiert
Seit Kindesalter sind Those Dancing Days aus Schweden dicker als Mickey und Goofy, seit zwei Jahren sind sie in Indie-Kreisen genauso erfolgreich. Dank eingängigem Girl-Group-Pop und einer großartigen Frau am Schlagzeug.
Auf Papier sind Those Dancing Days der fleischgewordene feuchte Traum aller heterosexuellen, schwedophilen Indiejungs – fünf junge hübsche Mädchen, die drolligen Indie-Pop spielen. Und in echt? Auch. Die jungen Damen aus der Stockholmer Vorstadt Nacka haben in Sachen Niedlichkeit, Eingängigkeit und musikalischer Versiertheit einiges auf dem Kasten.
Die Geschichte der Band beginnt im Kindesalter: Schlagzeugerin Cissi Efraimsson (ja, wir müssen auch immer an Pippi Langstrumpfs Papa denken) hat denselben Babysitter wie ihre zukünftige Gitarristin Rebecka Rolfart. Die beiden werden dicke Freunde. Mit 16 spielen sie dann in ihrer ersten, laut Efraimsson nicht sonderlich guten, Krach-Rock-Band zusammen. Um ihren Sound auszubauen, entscheiden sie sich irgendwann, mehr Mitglieder zu rekrutieren.
Irgendwo zwischen 60ies-Girlgroup und lauten Belle & Sebastian
Eine super Entscheidung: Mittlerweile sind es die glasklaren, angenehm tiefen Töne von Sängerin Linnea Jönsson, die zusammen mit Efraimssons tanzbein-verbiegenden Beats den Those-Dancing-Days-Sound prägen. Die Ästhetik ist stark an die Girlgroups der 60er-Jahre angelehnt (z.B. The Crystals und The Marvelettes), der cleane Gitarrenklang und die fiependen Synthies erinnern ab und zu an die lauten Belle & Sebastian.
Ihr eingängigster Song "Hitten" ist infektiöser als die Masern, verbirgt aber so das ernste Thema der Identitätskrise, das Jönsson so cool besingt. Der Name des Liedes ist hier Programm – auf Deutsch heißt "Hitten" nichts anderes als "Hit".
Beim nächsten Mal wird's härter
Mittlerweile haben Those Dancing Days aber durchblicken lassen, dass ihre alten, zuckersüßen Popongs sie nicht mehr sonderlich fordern – und deswegen mit ihrer nächsten Platte eine härtere Richtung einschlagen wollen. Auch die Texte, so Jönsson, sollen etwas konkreter werden. Das Album wird voraussichtlich 2011 in die Läden kommen, aber für 2010 sind noch eine Handvoll Live-Konzerte geplant, auf denen der eine oder andere neue Song ausprobiert werden könnte.
Vor zwei Jahren gingen sie mit ihrem Debütalbum "Those Dancing Days" auf Deutschlandtour und bei ihrem Auftritt im Atomic Café in München damals merkte man ihnen ihre Schüchternheit noch etwas an – aber seitdem sind viele stählende Auftritte in Japan und den USA ins Land gegangen. Mit ihrer neu gewonnenen Souveränität wickeln sie mittlerweile nicht nur Jungs um den Finger.


