Martin Mayer und Quirin Empl Der Raum ist der Star

Beim on3-Festival gibt es dieses Jahr eine neue Location: den Chorprobenraum des Rundfunkorchesters. Martin Mayer und Quirin Empl werden mit Lichtinstallationen dafür sorgen, dass das Staunen gar kein Ende nimmt.

Visual

Für ein ganz neues Raumgefühl werden Martin Mayer und Quirin Empl beim on3-Festival sorgen. In diesem Jahr ersetzt der Chorprobenraum des Rundfunkorchesters das kleine Studio 3 als Bühne. Die Struktur der Holzwände mit den rechteckigen Vertiefungen und Ausbuchtungen zur Schalldämmung ist wie gemacht, um sie nachzuzeichnen und das ganze mit der Musik zum Flackern, Flimmern und Oszillieren zu bringen. Über gewöhnliche Visuals, wie man sie von Elektro-Partys kennt, geht das weit hinaus.

There is a light that never goes out….

Das Schlagwort heißt "Mapping". Für ihr letztes Projekt "kleines_k" haben Martin Mayer und Quirin Empl ein Klassenzimmer ihrer Uni, der Münchener Kunstakademie, zum Leben erweckt. Wabernde Linien aus Licht zeichnen Fenster, Heizkörper, Türen und Waschbecken nach, manchmal flackern irgendwo farbige Flächen auf, ansonsten ist alles dunkel. Projektoren sorgen für eine schematische Licht-Zeichnung des Zimmers, die auf elektronische Musik und die Geräusche der Zuschauer reagiert. "Ein Raum wird normalerweise nur als Fläche missbraucht, zum Beispiel für Kunst", sagt Martin Mayer. "Mit Mapping machen wir den Raum zum Hauptdarsteller."

Martin ist unter seinem Alias "sinsynplus" inzwischen auch eine etablierte Größe in der regen Münchener VJ-Szene und in ganz Deutschland unterwegs. Aufgewachsen ist der 33-Jährige in Passau, bei seinen ersten eigenen Parties kramt er irgendwann Papa's alten Diaprojektor raus um die Atmo aufzuwerten. Es folgen Experimente mit der Videokamera und als die Technik erschwinglicher wird, wechselt er ins digitale Lager. Zwischendrin ein Jahr Informatikstudium – die Basics in Sachen Programmieren kann der Absolvent der Münchner Kunstakademie heute gut brauchen.

Händels Erben

Wenn Martin für das Bauch-Gefühl steht, dann ist Quirin das Brain des Kollektivs. Der 29-Jährige kommt aus Dorfen bei Erding. Er ist ausgebildeter Fotograf und studiert seit 2006 an der Akademie, wo sich die Beiden kennengelernt haben. Mit Visuals und Elektro-Partys hat er nicht so viel am Hut, ihm geht es eher um "Untersuchungen" wie er selbst sagt. Auf seiner Homepage gibt es verstörende Videos von schwimmenden, aufgeweichten Brezen, die von hunderten Kaulquappen angeknabbert werden. Für ein anderes Projekt fotografierte er an vielen Münchner U-Bahn-Höfen die immer gleichen, großen Netzpläne und reihte die Fotos aneinander – ein schönes Bild für das Stehenbleiben im Fortbewegen.

Martin und Quirin sehen sich augenzwinkernd als späte Erben des großen Georg Friedrich Händel, weil der mit seiner Feuerwerksmusik als erster Musik, Geräusche und visuelle Effekte konsequent zum Gesamtkunstwerk vereint hat. Die Premiere der Feuerwerksmusik wurde damals übrigens vom Londoner Regen vermiest. Im BR Funkhaus ist das Wetter meistens klar – Zeit Geschichte zu schreiben.


Das könnte dich auch interessieren

Woidboyz Viermal Chaos

Die vier Jungs aus dem Bayerischen Wald sind in chaotischer Mission unterwegs. Sie machen die Städte Bayerns unsicher, waschen ihre Schmutzwäsche in fremden Wohnungen oder stellen total dämliche Fragen.

Artikel vom: 23.12.2011

Ich wär so gerne wie… Einmal rumspinnen, bitte!

Hier die Lösung auf die kleineren und größeren Problemchen des Erwachsenwerdens und -seins: Einfach mal loslassen, locker machen und wer anders sein...

Artikel vom: