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Die Frage on3-radio Wie viele Dinge braucht der Mensch?

Bücher oder CDs wegschmeißen? Für viele Menschen eine Horrorvorstellung. Self-Storage-Center boomen, und trotzdem kaufen wir weiter. Macht uns der ganze Kram glücklich oder belastet er uns? Unsere Frage im November.

Die Frage on3-radio im November: Wie viele Dinge braucht der Mensch?

Der Durchschnitts-Amerikaner besitzt ungefähr 30.000 Dinge. Und auch wenn die USA das Land der großen Garagen und vollgemüllten Keller ist - der normale Deutsche dürfte nicht viel weniger Krempel im Laufe seines Lebens ansammeln. Und es wird immer mehr. Statt mal ein paar Bücher wegzuschmeißen, kaufen wir lieber ein größeres Regal. Statt den alten Staubsauger zu reparieren, holen wir uns gleich das neueste Modell. Und statt öfter mal auszumisten, mieten wir extra noch Stauraum bei Self-Storage.

Ungebremster Konsum ist vielleicht gut für die Wirtschaft. Aber ist er auch gut für uns? Warum wollen wir immer mehr und immer neues Zeug haben? Und wer ist eigentlich glücklicher – Menschen mit minimalistischen Wohnungen wie aus dem Einrichtungsmagazin, oder Leute, bei denen sich die Souvenirs und Lieblingssachen stapeln?

Station 1: Fast nichts besitzen – macht das glücklich?

Kelly Sutton ist 23, und alles was er besitzt, passt in zwei Koffer und zwei Schachteln. Konkret sind das: ein Laptop, ein Smart-Phone, ein E-Book-Reader, zwei externe Festplatten und ein paar Klamotten. Umzüge sind für den Software-Entwickler kein Problem.

Blogger Kelly Sutton an seinem Schreibtisch

Der digitale Nomade hat aber nicht immer so spartanisch gelebt. Als Kelly Sutton nach der Uni ein Auslandspraktikum gemacht hat, muss er noch kistenweise Krempel bei Freunden unterstellen. Aber dann merkt er, dass er die Dinge in den Kartons gar nicht vermisst und mit dem auskommt, was in seine Koffer passt. Also beschließt Kelly Sutton, fast seinen gesamten Besitz loszuwerden. Mit seinem Blog-Projekt "Cult of Less" hat er die Netzgemeinde daran teilhaben lassen. Sein Ziel: Er wollte mobiler, weniger gestresst und glücklicher leben. Ob er sein Ziel erreicht hat, und wie er den ganzen Krempel losgeworden ist, erzählt Sutton im Interview.

Station 2: Passt mein Leben in zwei Koffer?

on3-Reporter Otto entrümpelt sein Zimmer

Kelly Sutton ist nicht der einzige, der derzeit an einem minimalistischen Lebensentwurf bastelt. Dave Bruno heißt der vielleicht bekannteste Aktivist der neuen "less is more"-Bewegung. Er hat sich vorgenommen, seinen persönlichen Besitz auf 100 Sachen zu reduzieren und hat alles auf seiner Website "100 Things Challenge" dokumentiert. So ganz genau hat es Bruno dabei allerdings nicht genommen. Dinge, die seine Familie gemeinsam benutzt - wie das Sofa oder den Kühlschrank -, zählen bei ihm nicht. Nur Persönliches wird dezimiert. Aber auch hier trickst Bruno: Ein Paar Socken zählt er als ein Ding. Und seine Bücher hat er unter dem Stichwort "Bibliothek" ebenfalls kleingerechnet. Trotz solcher Schummeleien hat sich die Aktion für ihn gelohnt. Dave Bruno ist ohne seinen Ballast glücklicher.

Um unsere Frage "Wie viele Dinge braucht der Mensch?" zu beantworten, habe ich mich von den Ideen der Blogger anstecken lassen. Ich wollte mich aber nicht auf eine bestimmte Zahl von Dingen beschränken wie Dave Bruno. Und ich wollte den Versuch von Kelly Sutton toppen, möglichst mobil zu leben. Also habe ich versucht, nur noch mit den Sachen auszukommen, die in zwei Koffer passen. Der Rest musste erst mal raus aus meinen vier Wänden. Gar nicht so einfach - ich musste mich nicht nur von fast all meinen Comics trennen, auch meine Plattensammlung musste dran glauben. Im Video seht ihr, auf was ich mich da eingelassen habe.

Station 3: Hat meine Wohnung ein Wehwehchen?

Wer sich von zu vielen Dingen gestört fühlt, muss nicht gleich auf radikalen Minimalismus setzen. Es gibt auch dezentere Möglichkeiten, um sich zuhause wieder wohl zu fühlen. Die Deutschen setzen dabei ganz gern auf eine Philosophie aus dem alten China: Feng-Shui. Auf dem Buchmarkt sind Dutzende von Ratgebern erhältlich, die dafür sorgen wollen, dass der Mensch wieder mit seiner Umgebung harmonisiert. Feng-Shui für den Garten, das Büro, die Küche oder für die Zimmerpflanzen. Jeder Bereich hat sein Buch. Und sie alle setzen auf das schrittweise Entrümpeln.

Feng Shui-Beraterin Danijela Saponjic

Danijela Šaponjic hat früher BWL studiert und Unternehmen beraten. Heute beschäftigt sich die Feng-Shui-Beraterin mit Tao-Geomantie, energetischer Raumklärung und der Frage, wie man unnütze Dinge aus der Wohnung bekommt. Denn wo zuviel herumliegt, kommt angeblich der Chi-Fluss ins Stocken. Danijela vergleicht da die Wohnung mit dem menschlichen Körper: Eine Halsentzündung ist genau so eine Chi-Blockade wie ein zugemüllter Flur. Die Entscheidung, was man genau als Gerümpel ansieht – ob Liebesbriefe, Tierfiguren aus Porzellan oder alte Mixtapes -, die muss jeder für sich selbst treffen. Im Interview verrät Danijela Tipps und Methoden, wie man vorgehen kann und verrät, warum Besitz nicht so wichtig ist.

Station 4: Mein Schund, dein Schatz?

Jedes Jahr fallen in deutschen Haushalten über 37 Millionen Tonnen Müll an, sagt das Umweltministerium. 448 Kilo wirft ein Deutscher im Schnitt pro Jahr an Haushaltsmüll weg. Das meiste kommt dabei aus dem Bereich Papier und Pappe. Sperrmüll macht nur etwa 28 Kilo pro Person aus - aber darunter sind viele Dinge, die noch Wert haben und funktionieren.

Arbeiter auf dem Wertstoffhof in München

Allein im Wertstoffhof in der Thalkirchner Straße in München kommen im Monat rund 20 Tonnen an Sachen zusammen, die man eigentlich noch benutzen könnte. Vielleicht haben deshalb auch so viele Leute ein schlechtes Gewissen, wenn sie alte Skier oder Computer in die jeweiligen Container versenken. Ein akustischer Rundgang über den Friedhof der Dinge, bei dem wir auch die Frage beantworten, was die Mitarbeiter mit den ganzen guten Sachen machen.

Station 5: Die teure Alternative zum Keller

Self Storage-Lager in München

Self Storage boomt in Deutschland. 2002 hat die erste Filiale in München eröffnet. Heute gibt es zwischen 80 und 100 Lagerhäuser, die eine trockene und schicke Alternative zum feuchten Keller bieten. Allein der Marktführer My Place bietet an seinen 21 Standorten knapp 100.000 Quadratmeter Nutzfläche. Und die wird mit allem gefüllt, von dem wir mobile Arbeitsnomaden uns nicht trennen können: alte Möbel, Bücher, Klamotten und persönliche Erinnerungsstücke. Den Service lassen sich die Kunden auch was kosten. Etwa 100 Euro pro Monat kosten sieben Quadratmeter Abstellraum – eine ziemlich happige Miete.

100 Euro sind auch in etwa der Betrag, den Eszter aus München zahlt. Sie ist zu ihrem Freund gezogen, wollte aber seine Wohnung nicht mit ihren Sachen vollstellen. Also haben die beiden viele Sachen in ein Self Storage-Abteil ausgelagert. Beim Besuch ihres Abteils verrät Eszter, warum sie die Sachen nicht einfach wegschmeißen kann.

Und My Place-Sprecher Jörg Röthlingshöfer erklärt, warum wir alle solche Lagerräume gut gebrauchen können.