Streit um Studiengebühren : Grüner Umschwung treibt Studenten auf die Straße
Von Oliver FenderlBefeuert von den grünen Wahlerfolgen wird in Bayern wieder gegen Studiengebühren demonstriert. Das Ziel: ein Ende, wie in Baden-Württemberg. Dabei entlasten die Gebühren den Freistaat und damit auch den Geldbeutel der Bürger.
Studiengebühren sind in Deutschland ein Reizthema. Eingeführt wurden sie in sieben Bundesländern. Fünf Länder haben sie mittlerweile wieder zurückgenommen oder werden sie noch abschaffen. Nur Bayern und Niedersachsen halten bislang am Semesterbeitrag fest. Studentenvertretungen und die AStAs verärgert das.
Hoffnung macht den Gegnern der Studiengebühren der derzeitige Wahlerfolg der Grünen. Nach dem Sieg bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg wird der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Studiengebühr zum Sommersemester 2012 abschaffen.
Den Schwung zum Umschwung wollen die Studentenvertreter nun nutzen. Ihre Hoffnung: Bayerns Studenten von den landesweit rund 500 Euro pro Semester zu befreien.
Dabei entlasten die Studiengebühren den bayerischen Haushalt um jährlich 160 Millionen Euro. Davon wurden zusätzliche Dozenten und Tutorenstellen geschaffen. Aber auch extra Bildungsangebote und Exkursionen werden durch die Gelder erst möglich. So steht es zumindest im Bericht zur Verwendung der Studiengebühren des bayerischen Wissenschaftsministeriums.
Doch nicht jeder kommt in den Genuss dieser Zusatzangebote. Vielen Abiturienten fehle durch die Studiengebühren das Geld zum Studieren, klagen Studentenvertretungen. Sie befürchteten zunächst sogar sinkende Zahlen der Erstsemester und eine steigende Anzahl von Studienabbrechern, die sich die Hochschulbildung nicht mehr leisten können. Zwar war zwischenzeitlich die Zahl der Studierenden tatsächlich rückläufig, doch mittlerweile steigt sie jährlich wieder um 100.000 deutschlandweit. Allein in Bayern gibt es seit 2009 jährlich rund 14.000 Studenten mehr. Insgesamt sind an Bayerns Unis fast 290.000 Studenten eingeschrieben.
Studenten in Bayern und Niedersachsen sind die letzten, die noch zahlen: Studiengebühren! Protestieren oder akzeptieren?
Investitionen beruhigen die Gemüter nicht
Damit dann aber wirklich jeder in den Genuss eines Studienplatzes kommt, bauen manche Unis und Fachholschulen extra an. Keine überfüllten Hörsäle, so ihr Ziel. 50 Millionen Euro flossen deshalb in Infrastrukturmaßnahmen. Dazu zählen auch renovierte Seminarräume und Bibliotheken, in die ein Großteil des Geldes investiert wurde.
Trotzdem nimmt der Widerstand nicht ab. Die von Politikern oft betonten Verbesserungen seien nicht spürbar. Und: Die Angst vieler Studenten, nach einem teuren Studium völlig überschuldet ins Berufsleben zu starten, hat seit 2009 Tausende auf die Straße getrieben.
Chronologie des Protests
Weg mit den Studiengebühren, mehr Mitbestimmung, weniger Leistungsdruck - dafür sind ab Ende 2009 wochenlang zehntausende Studenten in ganz Deutschland auf die Straße gegangen. In ganz Bayern haben die Studenten Hörsäle besetzt und wochenlang mit Schlafsäcken in den Unis übernachtet - ohne wirkliches Ergebnis.
