Artikel Artikel

Vorgestellt // pandoras.box Neues aus dem Bunker

Große Kunst aus dem niederbayerischen Geisenhausen: Frittenbude-Gitarrist Martin Steer erkundet mit seiner Band pandoras.box die dunkle Seite der Rockmusik.

pandoras.box

Wenn eine Band sich mit einem Namen aus der griechischen Mythologie schmückt, ist erst mal Vorsicht geboten. Erster Verdacht: Größenwahn, Überambitioniertheit, Kunstrockstrebertum. Wer dann noch ausgerechnet den Mythos von Pandoras Box aus der Phrasenkiste holt, macht es sich selbst nicht leicht: Das Öffnen der Büchse der Pandora brachte der Sage nach Unheil und Angst über die Welt und brockte den Menschen die Sterblichkeit ein. Starker Tobak. Dass auch noch ein Projekt von Meat-Loaf-Songwriter Jim Steinman Ende der 80er Jahre den gleichen Namen trug, macht die Sache nicht einfacher.

Imposanter Space-Prog-Postrock

Man muss schon einiges in petto haben, um sich mit dem Bandnamen pandoras.box nicht selbst ein Bein zu stellen. Die fünfköpfige Band aus Geisenhausen, die seit 2004 mit dieser Bürde lebt, verfügt Gott sei Dank über genug Talent, sich solche Sorgen nicht mehr machen zu müssen. Ihr imposanter Spacerock aus Prog-, Shoegazer- und Postrock-Zutaten hat das Format, das ganze mythologische Geschwurbel wie einen alten Hut aussehen zu lassen.

pandoras.box

Martin Steer (2.v.l.) und seine Mitstreiter von pandoras.box.

Obwohl die Mitglieder von pandoras.box inzwischen verstreut in München, Freising, Geisenhausen, Würzburg und Lübeck leben, funktioniert ihre Band immer noch als homogene Einheit. Der aufwändige Breitwandsound ihrer Songs mit diversen Elektronika, Sampling-Elementen und Streicher-Einsprengseln kann es ohne Probleme mit Bands wie Trail Of Dead aufnehmen. Wenn Muse heute noch so interessant klingen würden, könnten sie sich ihre großkotzigen Bühnenshows getrost sparen.

Raus aus dem Bunker, rein ins Licht

Sänger und Songschreiber Martin Steer ist auch Mitglied der Elektropunk-Formation Frittenbude - dass man das der Musik von pandoras.box kaum anhört, liegt nicht nur daran, dass hier englisch getextet wird. Der überdrehte ironische Duktus der Sloganmaschine Frittenbude ist bei pandoras.box meilenweit weg. An seine Stelle tritt eine markerschütternde Ernsthaftigkeit, die nie aufgesetzt wirkt, sondern den Themen der Songs schlicht und ergreifend angemessen.

pandoras.box nehmen den Großteil ihres Materials in einem Luftschutzbunker in Geisenhausen auf, der der Band seit Jahren als Proberaum dient. So klingen ihre Songs dann auch: dunkel, verwinkelt, magisch. Und immer erfüllt von einem unbezwingbaren Drang zum Licht. Das passt dann auch wieder zum namensgebenden Mythos: Als die Büchse der Pandora zum zweiten Mal geöffnet wurde, entsprang ihr nichts anderes als: die Hoffnung.

Text: Michael Wopperer