Spielwiese on3-radio : Augen zu, Ohren auf!
Von Ralph GlanderFilme schauen, Games zocken, YouTube-Videos glotzen – wir sind umgeben von Bildern. Rund um die Uhr. Dabei vergessen wir unseren schönsten und eigentlich auch intimsten Sinn: das Hören. Die Spielwiese spitzt diesmal die Ohren und schaut nach, wo das Hören abgeblieben ist.
"Das Auge bringt den Menschen in die Welt, das Ohr bringt die Welt in den Menschen" – das sagte mal der bekannte deutsche Musikjournalist- und Produzent Joachim Ernst Berendt. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Auch wenn das Bild in unserer digitalen Welt dominant erscheint: Ohne Klänge, Wörter und Töne geht es dann doch nicht. Nur drängt sich das Auditive eben nicht so in den Vordergrund.
Hörmedien haben es deshalb schwer, sich im Kampf um die Aufmerksamkeit der Konsumenten durchzusetzen. Wer sich eine Geschichte erzählen lassen will, der greift wohl eher zur DVD als zum Hörspiel. Ein Problem, dass Günter Merlau nur zu gut kennt. Er ist Geschäftsführer des Hamburger Hörspielverlags "Lausch" und produziert aufwändiges Ohrenkino für Erwachsene:
Kassettenkinder – so nennt man die Generation, die mit Hörspielkassetten groß geworden sind. Hörspielproduzent Günter Merlau vom Lausch-Verlag zählt sich dazu und hat sich auch als Erwachsener seine Liebe zu vertonten Geschichten bewart. Hier verrät er uns seine alten und aktuellen Lieblingshörspiele.
Aber warum setzt sich eigentlich immer das Auge gegen das Ohr durch? Wir haben das Hören ein wenig vergessen, seit in den 1960er-Jahren die Medienwelt immer mehr und immer bunter flimmert – sagt Golo Föllmer, Professor an der Universität Halle und Experte für die Ästhetik akustischer Kunstformen. Mit uns hat er über den Status Quo von Hörmedien im digitalen Zeitalter gesprochen:
Das Internet hat in mancherlei Hinsicht die Hörkultur auch befördert. Mitte der 2000er gab es einen regelrechten Hype um Podcasts. Jeder konnte und wollte in der weiten Welt des Internets auch mal der Gastgeber einer Radioshow sein. Zu den beliebtesten Podcasts in Deutschland gehören zurzeit die "Flimmerfreunde"- eine Produktion der Musiker Bernd Begemann und Ben Schadow und des Regisseurs Kay Otto. Etwa 60.000 Fans hat der Podcast, der sich um Filmthemen dreht. Mit den Produzenten habe ich nicht nur über das Podcast-Phänomen, sondern auch gleich über alles andere geredet. Denn das ist eine der größten Stärken der Flimmerfreunde: extrem unterhaltsames Abschweifen.
Natürlich wird in der Spielwiese auch wieder über viel Sehbares gesprochen. Wir sind ja schließlich auch für eure Versorgung mit frischen Pixeln zuständig: Kinobewohner Matthias Leitner bemustert, analysiert und verreißt neue Trailer und Endboss Franz Liebl bringt uns auf den neuesten Stand im Zockerland.



