Die Frage on3-radio : Haben wir ein Recht auf Rausch?
Von Markus Otto KöbnikKomasaufen, sich dummkiffen, völlig abstürzen – schon die Begriffe zeigen: Unsere Gesellschaft ächtet Drogen. Aber fast jeder holt sich gerne mal einen Rausch. Wo ziehen wir die Grenze? Unsere Frage im März.
Vor ein paar Wochen hat uns Simone aus Bamberg eine Mail geschrieben. Sie wollte ein Thema für Die Frage vorschlagen. Und weil wir bei dieser Sendung sowieso immer die Hörer zu Wort kommen lassen, haben wir ihren Auftrag sofort angenommen. Simone will wissen: Haben wir ein Recht auf Rausch? Die nächsten Wochen werde ich mich auf die Suche nach Antworten machen. Meine Recherche könnt ihr im Blog verfolgen, mir Anregungen und Kritik mitgeben.
Die Idee für diese Frage kam Simone im Bamberger Nachtleben und auf Festivals. Dort jobbt sie häufig und dort hat sie auch Leute kennengelernt, die an Drogen kaputt gehen. Aber auch Simone hat gerne mal einen Rausch und mag das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Sie schreibt: "Menschen haben sich ja eigentlich schon immer in Rauschzustände versetzt, ist das also etwas ganz normales? Ist es gut für uns, dem Bewusstsein mal eine Pause zu gönnen und mal so richtig dicht zu sein? Warum ist es okay in unserer Gesellschaft sich zu betrinken, aber nicht sich zu bekiffen? Oder eine Nase Speed zu nehmen?"
Genau diese Widersprüche und Fragen werden wir in den nächsten Wochen zu klären versuchen. Alle Interviews und Reportagen findet ihr hier in voller Länge:
Station 1: Die Auftraggeberin
Wer so gute Fragen stellt wie Simone, der darf auch gleich selbst ein paar Antworten geben. Ich habe Simone nachts im Bamberger Morph Club getroffen. Im Backstage-Bereich erzählt sie, wie sie auf die Frage gekommen ist. Und sie spricht genauso offen über die Schattenseiten von Drogen wie über ihre Lust auf Rausch.
Station 2: Die braven Party-Prolls
Sie huldigen dem Rausch in jedem Song. Sie machen ständig die Nacht zum Tag. Aber im Interview verraten die Atzen: Eigentlich sind wir ganz harmlos. Höchstens mal ein Bier trinken Manny Marc und Frauenarzt vorm Auftritt. Wie sie trotzdem auf der Bühne derart ausrasten, erzählen Deutschlands bekannteste Party-Prolls im Interview.
Station 3: Der Myth-Buster im Drogendschungel
In die toxikologische Abteilung des Klinikums Rechts der Isar in München kommen Patienten, die bei einem Rausch fast gestorben wären oder auf Entzug sind. Dort hat Toxikologe Florian Eyer schon die Folgen aller möglichen Drogen behandelt. Er kennt die Mythen rund um den Rausch, wie Bier auf Wein – das lass sein, Schokolade macht glücklich oder Heroin macht sofort süchtig. Im Interview klärt er den Wahrheitsgehalt der hartnäckigsten Drogen-Mythen.
Station 4: Der Selbst-Kontrolleur
Tobias Graf hat sein letztes Bier mit 16 getrunken. Er raucht nicht und nimmt keine Drogen. Er bezeichnet sich als Straight Edge und ist damit Teil einer Szene, die sich Anfang der 80er im Umfeld des amerikanischen Punk- und Hardcore gebildet hat. Damals wollten sich die Punks nicht mit Drogen zu Grunde richten. Auch wenn immer weniger nach Straight Edge leben, Tobias bleibt dabei. Ein Interview mit einem, der immer die Kontrolle über sich haben will. Klar, dass wir uns in Regensburg in einem veganen Restaurant treffen.
Station 5: Die Kennerin der Rausch-Kultur
Je länger ich mich mit dem Rausch beschäftige, desto mehr hab ich das Gefühl, dass unsere Hörerin Simone recht hat, wenn sie meint, dass sich Menschen schon immer berauscht haben und es wichtig für unsere Gesellschaft ist. Warum das so ist, erforscht die Soziologin Yvonne Niekrenz. Die Kulturwissenschaftlerin hat ein Buch über Jugend und Rausch herausgegeben. Im Interview erklärt sie, warum Betrinken zum Erwachsenwerden dazu gehört und warum unsere Gesellschaft trotzdem immer weniger Rausch verträgt.
Station 6: Der Selbstversuch auf Speed
Ein Rausch ohne Alkohol und Drogen – geht das? Ich mache den Selbstversuch und steige zum ersten Mal in einen Rennbob. Wie stark knallen 110 Stundenkilometer im Eiskanal? Mein Fazit: Drogen und Geschwindigkeit wirken ähnlicher, als man denkt.
Station 7: Der Rechtsberater in Sachen Rausch
Wer von der Polizei mit Drogen erwischt wird, sollte besser schweigen. Das rät der Strafverteidiger Martin Kämpf. Der Anwalt hat sich auf Drogendelikte spezialisiert. Eine komplexe Materie – denn das Betäubungsmittelgesetz ist seit den 70er-Jahren auf ein paar tausend Seiten Anhang und Kommentar angewachsen. Im Interview klärt Martin Kämpf, was das Bundesverfassungsgericht zum Recht auf Rausch sagt und in welchem Bundesland die Richter bei Drogendelikten besonders hart urteilen.
Ihr habt auch eine Frage? Oder aber DEN Hinweis für die aktuelle Frage? Dann habt ihr hier die Möglichkeit, uns eine Mail zu schreiben. Schreibt an diese Adresse: diefrage@on3-radio.de
Schon vor der Sendung: Recherchen und persönliche Eindrücke unseres Reporters zum Mitverfolgen und Mitdiskutieren.

