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20.02.2012 Permalink Weiterempfehlen

Der neue alte Kandidat Wer war nochmal Gauck?

Von Kerstin Decker

Vor zwei Jahren sollte er es schon werden. Jetzt ist Joachim Gauck schon wieder Präsidentschaftskandidat. Er gilt als "der Gute", der "Ehrliche und Authentische". Aber wer ist dieser Gauck eigentlich? Wir haben recherchiert.

Joachim Gauck

Der Kämpfer

Joachim Gauck ist in der DDR groß geworden. Als Kind musste er miterleben, wie sein Vater vom sowjetischen Regime nach Russland verschleppt wurde und völlig ausgemergelt zurück kam. Als Schulabgänger wurde ihm der Studienplatz verweigert, weil seine Familie als Regime-Gegner galt. Gauck wurde zum Kämpfer: Er studierte Theologie, wurde Pastor und hielt regelmäßig regierungskritische Reden. Bis zum Mauerfall kämpfte Joachim Gauck für mehr Freiheit und Demokratie in der DDR.

Der Hardliner

Die Werte "Freiheit" und "Demokratie" wurden für Joachim Gauck früh zum obersten Ziel. Als seine Kinder in den Westen auswandern wollten, stellte er sich dagegen. Seine Familie sollte ihn bei seinem Kampf unterstützten. Als die ältesten drei Kinder auf eigene Faust in den Westen zogen, brach der Vater kurzzeitig den Kontakt zu ihnen ab.

Der Abtrünnige

Ein Jahr nach dem Abitur heiratete Joachim Gauck seine Schulfreundin. Die beiden bekamen zusammen vier Kinder: Christian, Martin, Gesine und Katharina. Nach dem Mauerfall trennt er sich von der Mutter seiner Kinder. Seit 2000 ist er mit der 20 Jahre jüngeren Journalistin Daniela Schadt zusammen. Die beiden führen eine Fernbeziehung und sind bisher nicht verheiratet – dafür müsste Gauck sich erst einmal von seiner ersten Frau scheiden lassen.

Der Kontroverse

Wo er kann, propagiert Joachim Gauck mehr Bürgerbeteiligung. Doch als 2011 die Occupy-Begegnung beginnt, machte er sich über die Proteste lustig. Er bezeichnet sie als "albern" und "romantisch verklärt", da sie - seiner Meinung nach - das Bankensystem eh nie ändern können. Über die neu gegründete Piratenpartei freut er sich einerseits, andererseits verglich sie mit "einem Haufen Laienschauspieler".

Der Direkte

Joachim Gauck sagt, was er denkt. Damit spaltet er zuweilen die Politikergemeinde. In der Debatte um Thilo Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" bezeichnete Gauck den Autor als mutig. Sarrazin thematisiere Probleme, die andere Politiker nicht ansprechen würden, so Gauck. Außerdem spricht er sich positiv für Hartz IV aus. Mehr noch: Die Hartz IV-Empfänger sollten sich nicht auf ihrer Hilfe ausruhen, sondern aktiv werden. Genauso wie Immigranten, die selbst für ihre Integration verantwortlich seien. Mit solchen Aussagen wird er auch als Präsident viele Diskussionsrunden befeuern können.


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