Ruhmeshalle // Soundgarden – Superunknown : Ein Trip ins Schwarze Loch
Von Markus ValleyTiefstapeln für Giganten: Mit "Superunknown" verewigen sich Soundgarden 1994 im Rockolymp und sind plötzlich so bekannt, dass sie mit einem Seufzer an die Zeiten der Unbekanntheit zurückdenken. Beschweren können sie sich nicht.
Meine erste Band hatte ich in der Schule, Mitte der 90er. Jeden Freitagnachmittag haben wir vom Keller aus das gesamte Schulhaus beschallt und sind dem Putzpersonal auf die Nerven gegangen, mit Songs von Guns'n'Roses, Nirvana und Pearl Jam. Wir haben alles nachgespielt, nur an Soundgarden haben wir uns nicht rangetraut.
Meister der Klangwand
"Superunknown" hat uns ganz klar die Grenzen des Machbaren gezeigt: Die vertrackten Taktwechsel auf diesem Album, die tonnenschweren Sludge-Riffs, die so erst möglich werden, weil Kim Thayil seine Gitarren komplett umstimmt, und die unerreichbare Stimme Chris Cornells. Doch selbst Cornell und Co kamen bei der Liveumsetzung ihrer eigenen Songs ins Schwitzen, zu dicht und fett haben sie die Klangwand auf Platte produziert.

Bild: Universal/A&R Records
"Superunknown" ist das vierte Album von Soundgarden und ihr bis dahin experimentellstes. Es erscheint im März 1994, einen Monat bevor Kurt Cobain sein Leben beendet. Ein tragischer, für das Quartett aus Seattle auf perfide Weise aber auch glücklicher Zufall - Chris Cornell wird mit neu zugelegter Kurzhaarfrisur auf einmal zum Sexsymbol des Grunge. Damit ist die Zeit der Schlabberpullis vorbei - und sogar Metallica stutzen ihre Mosh-Mähnen.
Aus dem schwarzen Loch zum Grammy
Das ganze Album ist geprägt von düsteren und perspektivlosen Texten, doch Cornell jammert nicht. Das macht ihn sympathisch. Mit "Superunknown" lassen Soundgarden ihre Punkwurzeln endgültig hinter sich und verewigen sich mit "Black Hole Sun" im Rockolymp. Dafür gibt's sogar einen Grammy, und auch die Single "Spoonman" wird mit dem goldenen Grammophon geehrt.
Zwei Jahre später schafft die Band mit dem Album "Down The Upside" noch einen beachtlichen Nachfolger. Sie experimentieren weiter, sind weniger brachial. Ich selbst war ein etwas enttäuscht, denn meine Erwartungen nach "Superunknown" waren hoch. Aber wenigstens konnten wir daraus mit unserer Schulband ein, zwei Songs nachspielen. "Superunknown" bleibt aber weiterhin unerreicht.
